Wilhelm Tell: Das Schauspieldrama von Friedrich Schiller als freies eBook

 

Hinter geschlossenem Vorhang – wie viel Stoff in einem Apfel steckt

Es ist schon erstaunlich, wie viel Symbolkraft in der Apfelschuss-Sage steckt. Man nehme einfach einen Apfel und lege ihn sich auf den Kopf oder stecke einen Pfeil o. ä. in ihn hinein und schon denkt jeder gleich an den Wilhelm Tell. Dass dieser im Übrigen nicht nur ein guter Schütze, sondern auch ein sehr berühmter und berüchtigter Schweizer Freiheitskämpfer war, der das einfache Volk unterstützte und gegen die bösen Vögte kämpfte, ist jedoch weniger bekannt als sein Meisterschuss.

Ob dieser Wilhelm Tell aber tatsächlich einen Apfel vom Haupte seines Sohnes geschossen hatte, ist jedoch geschichtlich nicht nachgewiesen. Denn die Apfelschuss-Sage gab es schon lange vorher in der dänischen Mythologie. Es wird vermutet, dass man die Legende von Tells Apfelschuss nur noch nachträglich in seine lange Liste immer gleicher ruhmreicher Taten eingefügt hatte, um der ganzen Freiheitskämpferei ein wenig Drama und Stoff für literarische Interpretationen oder Bühnenwerke zu liefern. Ein Vater, der mit einer Armbrust auf seinen Sohn zielen muss, um dessen Leben zu retten, ist nun mal eine Figur, der man nicht alle Tage begegnet. Doch dieser wird kaum von Zweifeln an sich selbst geplagt, sondern kalkuliert einen Fehlschuss gleich mit ein, denn er steckt gleich noch einen zweiten Rache-Pfeil für den Vogt mit ein. Und obwohl der erste Schuss gelingt, wird der Vogt dennoch Tells Pfeil nicht entgehen können.

Warum also ausgerechnet die Apfelschuss-Szene so eng mit Wilhelm Tell in Verbindung gebracht wurde, obwohl diese eigentlich weder für sein Leben, noch für das seines Sohnes oder das des Vogtes ausschlaggebend war, ist etwas unklar. Schon viele Dichter und Denker, Komponisten und Chronisten nach Friedrich Schiller haben versucht, Tell den Anspruch auf den bedeutsamen Apfelschuss abzuerkennen, was jedoch kaum gelang. Für Tell ist der Apfel wie die Schlange für Kleopatra oder Excalibur für Artus.

Und was spielt es für eine Rolle, ob Tell tatsächlich auf einen Apfel geschossen hat oder nicht. Er wird dennoch der berühmteste Schweizer Freiheitskämpfer bleiben. Auch heutzutage spielen sich die wichtigsten Szenen meist hinter geschlossenem Vorhang ab, so dass den Historikern oftmals nichts anderes übrig bleibt, als etwas hinzuzudichten. An der Geschichte selbst wird sich dadurch nichts ändern.

 

 

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