Edelhof zu Attinghausen. Der Freiherr, in einem Armsessel, sterbend. Walther Fürst, Stauffacher, Melchtal und Baumgarten um ihn beschäftigt. Walther Tell knieend vor dem Sterbenden.
Walther Fürst:
Es ist vorbei mit ihm, er ist hinüber.
Stauffacher:
Er liegt nicht wie ein Toter - Seht, die Feder
Auf seinen Lippen regt sich! Ruhig ist
Sein Schlaf und friedlich lächeln seine Züge.
Baumgarten geht an die Türe und spricht mit jemand.
Walther Fürst zu Baumgarten:
Wer ist's?
Baumgarten kommt zurück:
Es ist Frau Hedwig, Eure Tochter,
Sie will Euch sprechen, will den Knaben sehn.
Walther Tell richtet sich auf.
Walther Fürst:
Kann ich sie trösten? Hab ich selber Trost?
Häuft alles Leiden sich auf meinem Haupt?
Hedwig hereindringend:
Wo ist mein Kind? Lasst mich, ich muss es sehn -
Stauffacher:
Fasst Euch, bedenkt, dass Ihr im Haus des Todes -
Hedwig stürzt auf den Knaben:
Mein Wälti! O er lebt mir.
Walther Tell hängt an ihr:
Arme Mutter!
Hedwig:
Ist's auch gewiss? Bist du mir unverletzt?
Betrachtet ihn mit ängstlicher Sorgfalt.
Und ist es möglich? Konnt er auf dich zielen?
Wie konnt er's? O er hat kein Herz - Er konnte
Den Pfeil abdrücken auf sein eignes Kind!
Walther Fürst:
Er tat's mit Angst, mit schmerzzerrissner Seele,
Gezwungen tat er's, denn es galt das Leben.
Hedwig:
O hätt er eines Vaters Herz, eh er's
Getan, er wäre tausendmal gestorben!
Stauffacher:
Ihr solltet Gottes gnäd'ge Schickung preisen,
Die es so gut gelenkt -
Hedwig:
Kann ich vergessen,
Wie's hätte kommen können - Gott des Himmels!
Und lebt' ich achtzig Jahr - Ich seh den Knaben ewig
Gebunden stehn, den Vater auf ihn zielen,
Und ewig fliegt der Pfeil mir in das Herz.
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